14.10.2015 | Kenianischer Professor besucht die Längenfeldschule

Joseph Bosire informiert sich über das deutsche Bildungssystem – Hochschulkooperation geplant

Schulleiter Max Weber (v.l.) mit Joseph Bosire und Martin Melzer von der PH Schwäbisch Gmünd. (Foto: SZ- meni)

Der kenianische Professor Joseph Bosire von der Universität Jaramogi Oginga Odinga hat sich am Dienstag in Schulen in Ehingen und Obermarchtal umgesehen, um einen Eindruck vom deutschen Schulsystem zu bekommen. Dabei hat er auch Station in der Längenfeldschule gemacht, wo er besonders von der Selbstständigkeit der Schüler im Lernatelier begeistert war. Geht alles nach seinen Plänen, bringt er eine Kooperationsvereinbarung mit der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd zurück nach Kenia.

Interessiert ließ sich Joseph Bosire durch die Längenfeldschule führen. Immer wieder machte er Fotos und schaute den Schülern im Lernbüro über die Schulter, die konzentriert Streichholzfiguren ordneten oder komplizierte Sachaufgaben lösten. „Die Schüler arbeiten hier je nach Leistungsniveau alleine. Der Lehrer unterrichtet nicht, sondern leitet an“, erklärte Schulleiter Max Weber das neue Modell der Gemeinschaftsschule. „Das hat den Vorteil, dass Schüler verschiedener Niveaustufen gemeinsam lernen und voneinander profitieren können.“ Der Professor war davon beeindruckt. „Es ist interessant, diese neue Lernart zu sehen und wie die Kinder da selbstständig lernen.“

Joseph Bosire bildet in seinem afrikanischen Heimatland selbst Lehrer aus. In vier Bereichen werden die Lehramts-Studenten an der Universität in Bondo unterrichtet: Geisteswissenschaften, Naturwissenschaften, Sonderpädagogik und Kleinkindförderung, erklärte der Professor. 10000 Studenten besuchen die Universität und ihre Außenstellen aktuell. Für sie will er eine Kooperation mit der Hochschule in Schwäbisch Gmünd eingehen und Austauschprogramme auf die Beine stellen.

Der Kontakt ist über Martin Melzer von der Gmünder Hochschule zustande gekommen, der Anfang des Jahres in Kenia zu Gast war und nun beim Gegenbesuch Joseph Bosire durch die Schul- und Hochschullandschaft führt. Melzer ist selbst aus Kirchen und hat sich für seine Schulartentour deswegen Ehingen ausgesucht.

Schulsysteme miteinander verglichen

Den Besuch in der Längenfeldschule nutzte Bosire auch, um einen Vergleich zum Schulsystem in seinem Heimatland zu ziehen. Acht Jahre gehen Schüler in Kenia in eine Art Grundschule. Vier weitere Jahre lernen sie in einer weiterführenden Schule, bevor sie dann ins Berufsleben starten oder noch ein paar Jahre an der Universität verbringen. „Dabei ist es wichtig, dass die Schüler nach der Schule auch direkt einen Beruf ergreifen können“, erklärte Bosire. Dafür gibt es beispielsweise die Fächer Landwirtschaft und Werken mit Holz, worin die Schüler in Kenia schon sehr früh unterrichtet werden. „Um ein Geschäft gründen zu können“, ergänzte der Kenianer.

(von Nina Merkle, Schwäbische Zeitung, 14.10.2015)