04.02.2015 | Im Lernatelier wird still gearbeitet

Schulleiter zieht erste Bilanz der Gemeinschaftsschule – Weitere Kräfte für die Ganztagsbetreuung gesucht

Jedes Kind im Lernatelier arbeitet still vor sich hin. Bei Fragen macht die Schülerin mit der roten oder grünen Hand auf sich aufmerksam. (Foto: SZ- meni)

Die Schüler der Gemeinschaftsschule im Längenfeld haben sich eingewöhnt. Seit einem halben Jahr nun werden sie in den Fächern Deutsch und Mathe in einem sogenannten Lernatelier unterrichtet und müssen dabei auch vieles eigenverantwortlich erarbeiten, um den Lernplan zu erfüllen. Die Resonanz von Schülern, Lehrern und Eltern ist durchweg positiv. Doch für die Betreuung der Kinder am Nachmittag sucht die Schule noch weitere Kräfte.

„Mein Kind geht zum ersten Mal gerne in die Schule“: Diesen Satz hört der Schulleiter der Längenfeldschule, Max Weber, in den vergangenen Wochen häufiger. Der neue Lernablauf für die fünfte Jahrgangsstufe hat sich eingespielt. 51 Kinder werden inzwischen in den Lerngruppen unterrichtet – angefangen haben die Fünftklässler mit 50., ein Kind ist ganz am Anfang noch dazugestoßen.

Im Lernatelier ist es mucksmäuschenstill. Konzentriert lösen die Schüler Matheaufgaben. Nur wenige sind an diesem Morgen im Lernatelier, der Rest der Gruppe übt vor der Türe das laute Lesen und darf die rechnenden Mitschüler nicht stören.

„Unser Ziel ist es, dass nach Phasen des intensiven Lernens immer etwas Entspanntes kommt“, erklärt Max Weber. Meist folgen so nach Deutsch oder Mathe die Fächer Kunst oder Musik, damit sich die Schüler ein wenig erholen können. Doch das Kernstück der neuen Lernkultur ist das Lernatelier: ein heller freundlicher Raum, in dem die Kinder gerne arbeiten, wie der Schulleiter und auch Lerncoach Carmen Schneider versichern. Statt wie bisher in der weiterführenden Schule von Thema zu Thema zu marschieren, lernt hier jedes Kind in seinem eigenen Tempo. Kommen Fragen während des stillen Arbeitens auf, zeigen die Schüler das mit roten und grünen Handkarten an. Im Flüsterton erklären die Lerncoaches dann den Stoff, besteht größerer Klärungsbedarf, gehen sie mit den Kindern vor die Türe, um die anderen nicht zu stören. „Man kann sich viel besser auf die Kinder konzentrieren und jedem gerecht werden“, versichert Carmen Schneider. Auch für sie ist das Konzept der Gemeinschaftsschule neu.

Akribisch pflegen Carmen Schneider und ihre Kollegen die Lernfortschritte ihrer Schützlinge in eine Datenband ein, die auch die Eltern regelmäßig einsehen können, um den Bildungsprozess ihrer Kinder zu überwachen. „Auch die Eltern sind mehr in den Schulalltag ihrer Kinder eingebunden“, erklärt Weber. Bereits in der vergangenen Woche sind die Elterngespräche über die Bühne gegangen. Am Freitag nun bekommen die Schüler ihre detaillierten Lernberichte, die ihnen einen Überblick über ihren Wissensstand verschaffen.

Anmeldungen Ende März möglich

Aktuell laufen die Beratungsgespräche für die Eltern in der vierten Jahrgangsstufe. Anmeldungen für die weiterführenden Schulen sind am 25. und 26. März möglich. Viele Grundschüler von der Längenfeldschule werden wieder auf die Gemeinschaftsschule wechseln. „Es zeichnet sich auch ab, dass es mehr Kinder werden, die eigentlich eine traditionelle Realschulempfehlung bekommen würden“, sagt der Schulleiter erfreut. In wenigen Wochen schreibt er die Stelle für eine Französischlehrerin aus. Alle künftigen Sechstklässler, so sein Wunsch, sollen dann im kommenden Schuljahr zumindest im ersten Halbjahr den Französischunterricht besuchen. Doch je weiter die Gemeinschaftsschule fortschreitet, desto größer wird im Längenfeld auch der Bedarf an Betreuungskräften, die über die Mittagszeit die Kinder beaufsichtigen. Über 200 Schüler werden im kommenden Schuljahr über Mittag in der Schule sein. Und trotz der neuen Mensa mutmaßt Max Weber, dass mittelfristig die Räumlichkeiten in der Schule für die vielen Schüler zu eng werden. „Wir haben mit Mensa und Co gute Voraussetzungen, der Schulbau ist aber eigentlich auf den Halbtagsbetrieb ausgelegt. So muss in der Raumfrage irgendwann nachgesteuert werden“, erklärt der Schulleiter. Für die Betreuer ist das Budget inzwischen von 6000 auf 25000 Euro aufgestockt worden.