03.03.2018 | Polizist spricht über Gefahren im Internet

Roland Zindl hat an der Ehinger Längenfeldschule über Gefahren im Internet gesprochen. (Foto: SZ- götz)

Roland Zindl, Experte bei der Polizei in Sachen Internet-Sicherheit, hat am Dienstagabend in der neuen Mensa der Ehinger Längenfeldschule Eltern über die Gefahren des Internets aufgeklärt. Gerade soziale Netzwerke, aber auch pornografische Inhalte seien aktuell eine große Gefahr für Kinder und Jugendliche.

„Ohne Internet kann man sich das Leben nicht mehr vorstellen. Allerdings wissen viele Eltern nicht, was für gewaltige Gefahren im Internet für ihre Kinder lauern“, erklärte zu Beginn Max Weber, Schulleiter der Längenfeldschule und betonte: „Gerade in den sozialen Netzwerken gibt es wüste Sachen. Wir als Schule gehen hier auch rigoros vor. Wir als Schule haben hier ein sehr waches Auge“, so Weber.

Das sieht auch Cyber-Experte Roland Zindl so, der im Laufe seines Vortrages die Eltern vor allem sensibilisieren wollte. „Die größten Problembereiche sind Gewaltvideos und pornografische Darstellungen, die dann auf den Smartphones der Schüler landen“, sagte Zindl, der auch Zahlen nannte. So seien im Jahr 2006 Kinder und Jugendliche täglich 99 Minuten im Internet unterwegs gewesen, im Jahr 2016 stieg die Verweildauer auf 200 Minuten am Tag an. „Kinder brauchen Spielregelen für das Internet“, betonte Zindl, der vor allem vor Pornografie im Netz warnte. „Pornografie hat mit Aufklärung nichts zu tun, sondern mit Gewalt. Pornografie auf dem Smartphone erweckt den Eindruck, dass es sich um normale Sexualität handelt. Kinder und Jugendliche können das nicht einschätzen und so ensteht ein falsches Weltblid“, so Zindl. Denn gerade Internetseiten mit solchen Inhalten seien schwer zu kontrollieren, weil es sich hier meist um ausländische Anbieter handle. „Zwölf Prozent aller Internetseiten haben pornografische Inhalte, 25 Prozent aller Suchanfragen beschäftigen sich mit Pornografie“, untermauerte der Polizist seine Aussage mit Zahlen.

Ganz schlimm seien auch Pädosexuelle, die durch soziale Netzwerke versuchen, Kontakt mit Schülern aufzunehmen. „In den sozialen Netzwerken kann man sich mit falschen Namen anmelden. Das birgt Gefahren“, so der Experte, der den Eltern ans Herz legte, mit den Kindern über das Thema soziale Netzwerke zu sprechen und sie gegebenenfalls zu sensibilisieren. „Sie als Eltern sind für ihre Kinder verantwortlich, bis diese 18 Jahre alt sind. Das gilt auch für das Internet“, betonte Zindl.

Doch nicht nur direkt im Internet, sondern auch indirekt – und zwar beim Thema Computerspiele – würden große Gefahren lauern. „Bei Computerspielen geht es nicht nur um Gewalt, sondern auch um ein großes Suchtpotenzial. Experten sprechen bei 30 bis 60 Minuten spielen pro Tag bereits von Sucht“, sagte Zindl. Wichtig sei es, dass die Eltern bei den Computerspielen auf die Altersfreigabe achten und mit den Kindern zusammen Spielregeln festlegen. „Kinder und Jugendliche sind in der Entwicklung. Da ist der Input, den sie bekommen, wichtig. Bekommt ein Kind schlechten Input, wird es sich auch schlecht entwickeln“, machte Zindl deutlich.

Ein weiteres Risiko im Internet seien laut Zindl sogenannte Betrugsseiten, auf denen Dinge verkauft werden, deren Zahlungswege unsicher sind. „Oft fallen wir Erwachsenen darauf rein, wie sollen das dann Kinder merken“, so Zindl. Nur kurz behandelte der Experte das Thema der sogenannten Snuff-Videos, in denen Menschen umgebracht oder gefoltert werden. „Wenn ihr Kind solche Videos auf das Handy bekommt, bitte sofort bei der Polizei melden. Gleiches gilt für Videos über jegliche Form des Extremismus“, betonte Zindl.

Zwar würden die Landeskriminalämter täglich nach verbotenen Seiten im Internet fahnden, „dass sie damit niemals fertig werden, dürfte allen klar sein“, so Zindl, der am Ende empfahl, den Kindern das Internet schrittweise beizubringen.

(Schwäbische Zeitung, 28.2.2018)