04.02.2017 | Polizist klärt Schüler über Cybermobbing auf

Gerade soziale Netzwerke bergen Gefahren – Infoveranstaltung an der Ehinger Längenfeldschule

Roland Zindl spricht über die Gefahren im Netz. SZ- kö

Fast jedes größere Kind verfügt heute über ein Handy oder Smartphone. Welche Gefahren daraus entstehen können, hat Polizeihauptmeister Roland Zindl von der Kriminalprävention den siebten Jahrgangsstufen der Längenfeld- und Hermann-Gmeiner-Schule erläutert.

„Soziale Netzwerke – welche Probleme gibt es bei der Nutzung von Medien?“, fragte Zindl die Schüler und gruppenweise schrieben diese auf, was ihnen zum Jugendschutz in dieser Hinsicht einfiel: „Eigene Adressen und Handynummern sowie persönliche Fotos nicht im Internet veröffentlichen, Pornoverbot, Horrorfilme“ war auf dem Plakat einer Gruppe zu lesen. Bei „sozialen Netzwerken“ schrieb eine andere Gruppe alle ihnen bekannten auf, „Hacken, Mobbing, Dissvideos“ war da außerdem zu lesen. Bei Problemen allgemein fiel den Schülern „Handyverbot wegen Sucht, Schulden, Gewalt, Außenseiter, Internetmobbing“ ein. Bei Datenrechten stand „Urheberrecht, ohne Erlaubnis von anderen Bilder machen, CDs brennen und an andere verschenken“. All diese Punkte hat Zindl später mit den Schülern besprochen.

„Worauf soll man achten, wenn man sich im sozialen Netzwerk anmeldet?“, fragte Zindl sie. „Kein Bild einstellen, ist ganz wichtig, alles, was man auf dem Bildschirm sieht, kann man fälschen“, warnte der Polizist. Beispiele dazu erzählten ihm die Jugendlichen viele. „Beim Account-Erstellen zwei Mal überlegen, wie ist der Umgangston, ist da alles ok oder wird man da manchmal seltsam angeschrieben?“, fragte Zindl - verlegenes Grinsen seitens der Schüler. Wird man beleidigt, soll man die Eltern einweihen, direkt auf den Beleidiger zugehen oder sogar anzeigen“, empfahl der Polizist.

Fotos von Partys einzustellen könne genauso zu Problemen führen, da Personalabteilungen von größeren Firmen sich gern in Netzwerken umsehen, um mehr über ihre Azubis von morgen zu erfahren. „Ihr habt keine Sicherheit, dass ihr das, was ihr ins Netz stellt, wieder herausnehmen könnt“, warnte Zindl.

Außerdem solle das Passwort gesichert und keinesfalls dem Freund mitgeteilt werden. Verschiedene Zahlen, Symbole und große und kleine Buchstaben im Wechsel sind schwer zu knacken, so der Polizist. „Je länger das Passwort ist, umso schwieriger ist es“, so Zindl.

Zum Thema Jugendschutz im Internet sagte er, dass dieser von internationalen Anbietern leicht ausgehebelt werden kann.

Kein Einfluss auf die Jugendlichen wegen Smartphones

„Sobald ein Kind ein Smartphone in der Hand hat, haben die Eltern keinen Einfluss mehr“, sagte Zindl. Wie weit Mobbing führen kann, erklärte er am Beispiel eines kanadischen Mädchens, das das Internet genutzt hatte, um neue Freunde zu gewinnen. Ein Chatpartner bat sie um ein Foto mit entblößtem Oberkörper. Damit hat er sie erpresst, um weitere noch freizügigere Bilder von ihr zu bekommen. Die hat er dann ins Internet gestellt und Klassenkameraden gezielt darauf aufmerksam gemacht. Das Mädchen wurde gemobbt. Obwohl die Familie mehrfach den Wohnort wechselte, verfolgten die Fotos das Mädchen bis zum Suizid.

„Mobbing, Hänseln und Beleidigungen hat es schon immer gegeben, durch das Internet hat es eine ganz andere Dimension bekommen“, warnte Zindl.

Rektor Max Weber war sehr froh, dass es ihm gelungen war, die Polizei zu diesem Thema an die Schule zu holen, betonte er.

(Schwäbische Zeitung, 04.02.2017)