26.10.2016 | Die Schüler der Klasse 1c lernen ganztags

Als erste Schule in Ehingen führt die Längenfeldschule eine Ganztagsklasse ein

Unterricht in der Ganztagsklasse im Längenfeld. Lehrerin Franziska Neubert teilt die Arbeitsblätter aus.(Foto: SZ- meni)

Die 21 Kinder der 1c in der Grundschule im Längenfeld bilden die erste Ganztagsklasse in Ehingen und der Region. Schon länger hatte Rektor Max Weber die Idee, eine solche Klasse zu bilden, seit sechs Wochen nun lernen die Kinder fleißig das ABC.

Mit Bleistift schreiben die 21 Kinder den Satz „Woher kommt mein Apfel?“ von der Tafel ab. Wer fertig ist, malt Apfelbäume aus. Dann schlägt Klassenlehrerin Franziska Neubert den Gong. Augenblicklich sind die Kinder still, haben die Arme verschränkt und rühren sich nicht mehr. Sie wissen genau: Jetzt kommt eine neue Arbeitsanweisung. Seit sechs Wochen drücken die Kinder die Schulbank. Anders als ihre Schulkameraden haben sie nicht nur einmal in der Woche verpflichtend am Nachmittag Schule, sondern viermal. Montags und donnerstags wird nachmittags gelernt, an zwei weiteren Tagen können die Kinder an den verschiedenen Ganztagsangeboten der Schule teilnehmen.

„Schon im März bei der Schulanmeldung hatten wir 14 interessierte Eltern“, blickt Rektor Max Weber auf die vergangenen Monate der Planung zurück. Fünf weitere Eltern bekundeten in den folgenden Wochen ihr Interesse und ab Juni ging die Schule in die Feinplanung für die erste Ganztagsklasse über. Insgesamt sind an der Längenfeldschule rund 38 Prozent der Erstklässler den ganzen Tag an der Schule. In der gesamten Grundschule über alle Klassen hinweg gesehen sind es 100 Kinder, die angemeldet sind. „Und der Bedarf wächst weiter“, hat Weber festgestellt. Sechs bis sieben Kinder werden täglich von 7 bis 17 Uhr in der Schule betreut und das seien natürlich nicht nur die der Ganztagsklasse. „Den Bedarf haben natürlich berufstätige Eltern, aber wir haben auch Eltern, die sich ganz bewusst dafür entscheiden, dass ihr Kind hier den ganzen Tag in der Schule verbringt“, ergänzt der Schulleiter. Über die ganze Schule, inklusive der Gemeinschaftsschule, hinweg gesehen sind 250 Schüler von morgens bis abends da. „Für die kommenden Jahre wird das Konsequenzen haben, weil wir natürlich vom Gebäude her eine Halbtagsschule sind“, sagt Weber. Hält der Trend an, dass die Kinder immer länger in der Schule sind, werde sich die Raumsituation ändern müssen. „Aber mit dem Schulträger sind wir hier ja in einer komfortablen Situation.“

Der Schultag der 1c ist anders strukturiert als der anderer Erstklässler. Bis spätestens 7.45 Uhr müssen die Kinder im Klassenzimmer sein, erklärt Franziska Neubert. Sie hat dann schon eine Arbeit für jedes Kind vorbereitet. Ab 8 Uhr ist dann gemeinsamer Unterricht angesagt. Die Klassenlehrerin kann dabei selbst entscheiden, ob sie Mathe, Deutsch, Sachunterricht, Englisch oder Musik gibt. „Zum sogenannten Kontingentunterricht kommen in dieser Klasse vier weitere Stunden hinzu“, erklärt sie weitere Unterschiede. Diese Zeit nutzt sie unter anderem, um mit den Kindern zu üben. „Ganztag heißt bei uns: Zeit für mehr“, erläutert Max Weber. Statt 15 Minuten haben die Kinder ab 9 Uhr sogar 30 Minuten Pause. 15 Minuten nutzt die Lehrerin dabei, um den Kindern aus dem Buch „der kleine Wassermann“ vorzulesen, während die Kinder ihre Brote essen. Das Vorlesen sei auch vor dem Hintergrund wichtig, dass ein Großteil der Kinder in der Klasse einen Migrationshintergrund hat. Merkt Franziska Neubert im Laufe des Tages, dass die Kinder genug vom Lernen haben, hat sie die Möglichkeit eine „Sause-Pause“ einzulegen und mit den Kindern kurz an die frische Luft zu gehen, damit hinterher die Buchstaben und Englischvokabeln wieder leichter in die Köpfe gehen. Zudem sei der Schulalltag so aufgebaut, dass die Kinder mit ihren Aufgaben fertig sind, wenn die Eltern sie zwischen 15.30 und 17 Uhr abholen. Nur das Lesen müsse dann daheim noch geübt werden.

„Lernort als Lebensraum ist für mich ein besonderer Anspruch“, versichert die Lehrerin der Klasse. Und auch die Rückmeldungen der Eltern seien bisher alle positiv. Nach den Herbstferien wird es einen weiteren Elternabend geben, bei dem noch einige Feinheiten besprochen werden. Doch für Max Weber und Franziska Neubert ist das Projekt Ganztagsklasse ein Erfolg. Bei den Elternabenden in den Kindergärten im November wollen sie bei den Eltern der künftigen Grundschüler für eine weitere Klasse im kommenden Schuljahr werben.

(Schwäbische Zeitung, 26.10.2016)