26.10.2016 | Erste Ganztagsklasse in Längenfeldschule

Foto: Julia Deresko

Die Schüler der Klasse 1c verbringen viel Zeit miteinander: Die neue Grundschulklasse an der Längenfeldschule ist die erste reine Ganztagsklasse.

In die Arbeit versunken sitzen die Kinder in kleinen Gruppen an ihren Tischen. Es wird gemalt, geklebt und geschrieben. „Freundschaften entstehen in dieser Klasse schneller“, sagt Franziska Neubert, Klassenlehrerin der 1c an der Längenfeldschule. Manche Kinder seien am Freitag sogar enttäuscht, dass sie schon nach Hause müssen. Die 1c ist nämlich eine Besonderheit: „Es ist die erste reine Ganztagsklasse in Ehingen“, sagt Schulleiter Max Weber. Die Idee zu solch einer Klasse beschäftigte ihn schon von Anfang an. Im März hatten etwa 15 Eltern signalisiert, dass sie Interesse haben. Vor Beginn des Schuljahres kamen noch einige dazu. Im September konnte die neue Klasse mit 21 Grundschülern starten.

Doch was ist anders in der neuen Klasse? „Der Schulalltag der 1c ist komplett anders rhythmisiert“, erläutert Weber. Während in anderen Klassen um 7.45 Uhr mit dem Unterricht begonnen wird, geht es in der 1c um 7.30 Uhr mit der „Willkommenszeit“ los. „Es ist ein offener Beginn“, sagt Neubert. Bis 7.45 Uhr sollten die Kinder da sein, dann liegen für sie Aufgaben zum Ankommen bereit. Erst um 8 Uhr beginnt der Gesamtunterricht, der die Fächer Deutsch, Mathe, Englisch, Sachunterricht und Musik umfasst. Welches Fach dran kommt, entscheidet die Klassenlehrerin: „Das Gute ist, dass alles in einer Hand ist“, meint Weber. So habe die Lehrerin einen Überblick und kann bei Bedarf eines der Fächer intensiver unterrichten. Für Englisch sind in der 1c jeden Tag 20 Minuten reserviert. „Das kommt den Kindern besonders zugute“, weiß Neubert. Nach rund sechs Wochen Unterricht ist die Klassenlehrerin zufrieden: „Dieses Modell der 1c bringt gewisse Vorteile. Ganztagsklasse heißt Zeit für mehr.“ So ist jeden Tag eine Viertelstunde für das „Vorlesen und Vespern“ reserviert. Während die Kinder frühstücken, liest ihnen die Lehrerin vor. Im Anschluss gibt es noch eine Viertelstunde Pause auf dem Schulhof. Die Mittagspause zwischen 12 und 14 Uhr ist für das Mittagessen, aber auch für die Hausaufgabenbetreuung und die Lernzeit reserviert. Das Modell sei so konzipiert, dass die Kinder fertig sind, wenn sie nach Hause kommen. Eine Besonderheit ist auch, dass die Schüler der 1c an zwei Nachmittagen in der Woche im Klassenverbund unterrichtet werden. An den anderen Tagen können sie aus einem vielfältigen Angebot an AGs auswählen. Man kann etwa Kochen, Cartoons zeichnen, Tennis oder Theater spielen.

Der Aufwand für die Planung der Abläufe sei groß, sagt Weber. Bereits im Juni wurde damit begonnen. Ein Vierer-Team ist mit der Organisation des Ganztagsablaufs beschäftigt. Für die Ganztagsbetreuung stehe an der Schule ein Etat in Höhe von 24 360 Euro zur Verfügung, 25 Betreuungskräfte und mehr als 70 zusätzliche Lehrerstunden. Doch der Aufwand lohne sich. Weber rechnet bereits im kommenden Schuljahr mit einer weiteren Ganztagsklasse. „Der Bedarf an Ganztagsbetreuung ist da und er steigt, weil viele Eltern berufstätig sind.“ Aktuell haben 250 Schüler Ganztagsunterricht, vor fünf Jahren waren es noch 70. In den Klassen 1a bis 1c liege der Anteil bei 37,5 Prozent.

„Für mich ist es ein besonderer Anspruch, dass die Kinder sich in der Ganztagsschule wohlfühlen“, sagt Neubert. Und Weber ergänzt: „In der Ganztagsschule wird der Lernort zum Lebensraum.“

(Südwest Presse, 26.10.2016)