12.08.2016 | Fritz­le hat auf dem Hof von Mi­chae­la Haug das Pa­ra­dies

Kinder der Natur AG von der Ehinger Längenfeldschule kümmern sich um das Schwein in Griesingen

von Barbara Körner

Griesingen/Ehingen - Im Oktober 2015 ist ein Ferkel von einem Schweinetransporter gefallen und hat auf der B 465 einen Verkehrsstau verursacht. Zufällig hat Reitpädagogin Michaela Haug es gesehen, der Polizei gemeldet und das Ferkel erst mal zu sich auf den Hof in Griesingen mitgenommen. Später rief der Schweinehändler an und schenkte ihr das Ferkel. "Winzig war es damals, wurde mit Babymilch gefüttert und brauchte viel Nähe und Wärme", erinnerte sich Michaela Haug. Einer ihrer Therapiehunde hat Fritzle, wie das Ferkel dann genannt wurde, sofort adoptiert.

Michaela Haug ist auch Lehrerin an der Längenfeldschule und leitet die Natur AG der Jahrgangsstufen fünf und sechs der Gemeinschaftsschule. Eigentlich sollten in dieser AG Hühner angeschafft werden, damit die Kinder lernen, wie Mensch und Tier zusammenleben. Doch nun war Fritzle zwar nicht vom Himmel aber doch vom Laster gefallen und die 15 Jungen der Natur AG kümmern sich seitdem um ihn, damit er nicht geschlachtet werden muss.

Fritzle bekam ein kleines Gehege mit einer Holzhütte, eine Suhle, eine Wärmelampe und weil Schweine Gesellschaftstiere sind, eine Artgenossin mit dem Namen Annabel. Kastriert und geimpft war Fritzle schon vor seinem Sturz und das Schwänzle war auch kupiert.

Jetzt ist Fritzle neun Monate alt, wiegt fast 80 Kilo und braucht mit seiner Annabel mehr Platz. Die Kinder planen mit Michaela Haug ein größeres Freigehege mit einer Schutzhütte und sammeln dafür Geld. Auf dem Trödelmarkt haben sie ihre alten Spielsachen zugunsten von Fritzles neuer Behausung verkauft. Aber weil es etwas Rechtes werden soll, brauchen die Kinder noch weitere Spenden, denn ihr Fritzle ist ihnen ans Herz gewachsen und soll auf keinen Fall geschlachtet werden.
Jeden Freitagnachmittag kommen die 15 Buben, darunter auch Inklusionsschüler, auf den Hof von Michaela Haug, besprechen mit ihr beim gemeinsamen Vespern, was an Arbeiten anfällt, und wer welche Aufgaben übernimmt. Sie wollen noch einen Plan erarbeiten, wie die Versorgung der Schweine während der Ferien geregelt wird. Die Suhle ausgraben macht den Buben am meisten Spaß, am besten Barfuß und mit bloßen Händen.

"Spaß macht auch, wenn Fritzle im Stall ist, und uns in die Suhle schubst", sagt Jona lachend. Allerlei Kunststücke haben die Buben dem Fritzle beigebracht. Das Kommando "sitz" funktioniert ganz prima, wenn eine Schüssel mit Apfelschnitzen in der Nähe ist.

"Die Jungen wollen richtig schaffen", erklärte Michaela Haug, "aber jeder muss individuell behandelt werden. Es sind Kinder mit Handicap dabei." Es gelten feste Regeln für das Verhalten in der Gruppe, so wird zum Beispiel nur am Esstisch gegessen. Aber jedes Kind darf sich auch mal eine Auszeit nehmen und einen Platz außerhalb der Gruppe einnehmen. "Die Liebe zum Tier ist groß und hilft bei der Motivation, Hürden werden leichter überwunden", erklärt die Lehrerin. Nach dem gemeinsamen Essen werden Aufgaben verteilt. Mike und Max wollen füttern, Tim will im Stall frisch einstreuen, Felix das Wasser auffüllen, um die Suhle kümmern sich Nico und Philipp. Jona darf die Schweine rauslassen, und dann kommen die Schweine angesaust und die Kinder haben mit ihnen eine Riesenfreude.

(Schwäbische Zeitung, 05.08.2016)